In dieser Rubrik möchten wir euch über unsere Feuerwache auf dem Laufenden halten und diese einmal vorstellen.
Diese neue Feuerwache wurde 2021/2022 an einem neuen Standort erbaut. Sie erfüllt den heutigen Standards und bietet Platz und Raum für Ausbildung, Lagerung, Verwaltung und Koordination von Einsätzen.
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Arbeiten im „Hintergrund“
Während eines Einsatzes können viele Handlungen der Einsatzkräfte vor Ort beobachtet werden. Was sich jedoch im Hintergrund abspielt, ist nur wenigen bekannt. Feuerwehrleute vor Ort löschen Brände, Retten Verletzte aus verunfallten Fahrzeugen oder führen andere sichtbare Arbeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten aus, die sie in den verschiedenen Ausbildungen immer zu erweitern versuchen. Doch was passiert, wenn die Einsatzkräfte vor Ort zahlenmäßig nicht ausreichen? Was geschieht, wenn Spezialkräfte wie Höhenretter oder die Unterstützung des Technischen Hilfswerks (THW) benötigt werden? Und wer kümmert sich um die Koordination von größeren Einsatzstellen oder komplexeren Aufgaben? Hier kommt unsere Feuerwehreinsatzzentrale (FEZ) ins Spiel. Die FEZ dient als zentrale Kommunikationseinheit einer Feuerwehr. Unterstützt werden wir von einer Einsatzleitsoftware (EDP), welche Kreisweit im LK Goslar genutzt wird.
Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen
Nach der Alarmierung durch die Leitstelle wird die FEZ besetzt und koordiniert danach den eingegangenen Einsatz. Weiterhin können hier während eines Einsatzes wichtige Informationen zu möglichen Gefahren (z.B. bei Verkehrsunfällen mit gefährlichen Gütern) recherchiert und an die Einsatzkräfte vor Ort übermittelt werden. Es können von hier aus weitere Einsatzkräfte nachalarmiert und Absprachen mit anderen (Hilfs-)Organisationen getroffen werden. Man sagt deswegen, die Feuerwehreinsatzzentrale ist eine Führungsunterstützung für den Einsatzleiter im rückwärtigen Bereich. Sie ist eine stationäre Einrichtung in unserem Gerätehaus und erfüllt dort ihre unterstützenden Tätigkeiten. Eine grundlegende Aufgabe unserer FEZ ist die sachgemäße Dokumentation des Einsatzgeschehens, sodass alle Schritte, Entscheidungen und Vorgänge zu jederzeit während eines Einsatzes überprüft und auch hinterher nachvollzogen werden können. Reichen einmal die vorhandenen Kräfte vor Ort nicht aus oder werden speziell ausgebildete Unterstützungskräfte und deren Equipment gebraucht, so können diese von hier aus nachalarmiert werden. Auch bietet uns diese Einrichtung einen geordneten Kontakt zu anderen Behörden und Hilfsorganisationen sowie zu der Presse und zur Bevölkerung. Die Arbeit in unserer FEZ wird aufgrund einer unterbrechungsfreien Stromversorgung auch während eines Stromausfalls nicht behindert, sodass wir den Kontakt zu unseren Kräften an der Einsatzstelle nicht verlieren. Dies ist vor allem bei größeren Schadenslagen wie einem Waldbrand, Unwettereinsätzen oder aber bei Hochwasserlagen von Vorteil. Bei einem Eintritt eines Schadensereignisses kann somit schnelle und wirksame Hilfe gerufen werden. Ist eine komplexe Lage eingetreten, so haben wir die Möglichkeit eine Lagekarte dazu anzufertigen. Dabei werden nicht nur die direkten Ereignisse vor Ort grafisch dargestellt, sondern auch weitere Gefahren und die Anzahl der eingesetzten Kräfte dokumentiert.
Da es im Einsatzfall wichtig ist, die Lage der Öffentlichkeit und neu hinzu gekommenen Einsatzkräften vermitteln zu können, müssen die Teilnehmer unserer Ausbildungen in diesem Bereich in der Lage sein, eine Lagekarte selbst zu erstellen und anschließend einem Dritten zu erläutern. Bei großen Schadenslagen – meist in Kombination mit der Alarmierung des Kreisbrandmeister – reicht eine klassische Feuerwehreinsatzzentrale oftmals nicht mehr aus. In diesem Fall wird diese durch die sogenannte Technische Einsatzleitung (TEL) ergänzt oder ersetzt. Dort nimmt dann ein Stab, bestehend aus Experten ihres jeweiligen Sachgebiets, ihre Arbeit auf.
Der Stabsraum dient als ein zentraler Raum für die Stabsarbeit und ist Teil der Feuerwehr -Einsatz-Zentrale (FEZ) und kann durch eine mobile Trennwand um den Schulungsraum erweitert werden.
In der Zeit, in der der Raum nicht als Stabsraum benötigt wird, wird er von der Kinder- und Jugendfeuerwehr genutzt.
Bei Einsätzen größeren Umfanges ist die Unterstützung von Führungseinheiten und -einrichtungen notwendig und sinnvoll. Es handelt sich dabei um die stabsmäßige Organisationsform der Einsatzleitung.
Am häufigsten kommt ein Führungsstab bei Katastrophenalarmen zum Einsatz. Dieser wird vom Landrat bzw. von den Landrätin ausgelöst .
Ein Führungsstab gliedert sich in vier Sachgebiete (1-4) und kann bei Bedarf um zwei weitere Sachgebiete (5-6) erweitert werden.
S1 Personal / Innerer Dienst
• Bereitstellen der Einsatzkräfte
• Alarmieren, Anfordern, Reserven, Bereitstellungsräume, Kräfteübersicht
• Führen des inneren Stabes
S2 Lage
• Lagefeststellung
• Beschaffen, Auswerten, Bewerten von Informationen
・ Lagedarstellung
• Vorbereiten von Lagebesprechungen
• Führen der Lagekarten, Einsatzübersichten
• Information
• Unterrichten anderer Stellen, Bevölkerung
• Einsatzdokumentation
• Führen des Einsatztagebuches, Sicherstellen aller Informationen,
• Erstellen des Abschlussberichts
S3 Einsatz
• Beurteilen der Lage
• Erteilen der Befehle
• Ordnen des Schadengebietes
• Durchführen von Lagebesprechungen
• Zusammenarbeit mit Dritten
• Anordnen von Absperrmaßnahmen
S4 Versorgung
• Anfordern weiterer Einsatz-, Hilfsmittel
• Bereitstellen von Verbrauchs-und Einsatzmitteln, Verpflegung,
• Bereitstellen von Unterkünften und Rettungsmitteln für Einsatzkräfte
S 5 Presse- und Medienarbeit
• Presse- und Medieninformation
• Presse- und Medienbetreuung
• Presse- und Medienkoordination
• Presse- und Medieneinbindung
• Z.B. Warn- und Suchhinweise
S 6 Informations- und Kommunikationswesen
• Planen des I und K Einsatzes
• Aufteilen und Anfordern von Kanälen
• Kommunikationskonzept, Fernmeldeskizze
• Durchführen des I und K Einsatzes,
• Führen der I und K Einheiten,
• Überwachen und Dokumentieren des Kommunikationsbetriebes,
• Ausstattung der Befehlsstellen,
• Einrichten von Meldediensten
Der Führungsstab besteht nach dem Einsatzleiter aus den jeweiligen Sachgebietsleitern als Führungsassistenten sowie dem Personal in den Sachgebieten als Führungshilfspersonal. Ergänzend können auch bestimmte Fachberater in die Stabsarbeit integriert werden.
Unser Schulungs- und Aufenthaltsraum dient überwiegend für den theoretischen Teil der regelmäßigen Ausbildung. Besondere Bedeutung hat der Raum für allgemein kameradschaftliches Beisammensein.
Auch offizielle Anlässe, wie die Jahreshauptversammlung, Kommandositzungen oder ähnliches, werden hier abgehalten.
Weiterführend ist der Raum auch eine Erweiterung für den Stabsraum, sobald die mobilen Trennwände zum Stabsraum eingefahren werden.
Angrenzend ist das Büro des Ortsbrandmeisters sowie die Küche mit einer Ausgabe.
Die gesamte Ausgestaltung der Feuerwache entspricht den Vorgaben der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen (FUK) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV). Im Detail regelt die DGUV Vorschrift 49 "Feuerwehren" und der DGUV Information 205-008 "Sicherheit im Feuerwehrhaus" die sichere Ausgestaltung von Feuerwachen.
Der besondere Fokus dieser Vorschriften liegt dabei auf der Gesundheit und Unfallfreiheit der Feuerwehrangehörigen im Einsatz- und Übungsdienst. Dabei wird der Weg von der Anfahrt zur Feuerwache bis zum Ausrücken der Einsatzfahrzeuge berücksichtigt.
Unsere Umkleideräume, in denen unsere Einsatzschutzbekleidung griffbereit hängt, liegen in Laufrichtung zu dem Alarmeingang. Durch diesen gelangen wir vom Parkplatz direkt in den Flur, in welchem am Anfang bereits ein Monitor von der Decke hängt. Dieser zeigt alle wesentlichen Daten zum Einsatz an. im Anschluss kommen weiblich/männlich getrennte Umkleideräume sowie Sanitäre Anlagen.
In den Umkleideräumen gibt es für jede/n Feuerwehrkameraden /-in einen Spind, bei dem die private Kleidung getrennt von der Einsatzbekleidung aufbewahrt werden kann. So wird der Kontakt zwischen ggf. im Einsatz kontaminierter Einsatzbekleidung und privater Kleidung vermieden und entspricht somit den Hygienebestimmungen. Außerdem verfügen die Spinde über ein abschließbares Fach für Wertsachen, welches mit einem individuellen Schloss gesichert wird.
Aktuell befinden sich 42 Spinde in der Feuerwache und sind vorrangig nach der jeweiligen Verwendung der Kameradinnen und Kameraden vergeben (Führung, Atemschutzgeräteträger, etc.). Dadurch soll im Einsatzfall ein schnellerer Überblick über die verfügbaren Kräfte bereits beim Umziehen gegeben werden.
Von den Umkleideräumen gibt es direkte Zuwegungen zu den sanitären Einrichtungen sowie in die Fahrzeughalle.
Grundsätze nach DGUV:
Alarmwege müssen nach ihrem Bestimmungszweck leicht und sicher begangen oder befahren werden können.
Feuerwehrangehörige müssen sich gefahrlos umkleiden sowie nach Einsatz oder Übung reinigen können.
Unsere Werkstatt gliedert sich grob in zwei Bereiche. Zum einen der tatsächliche Werkstattbereich, ausgestattet mit einer großen Werkbank, Schraubstock und Stauräume für Material, Werkzeug und kleinere Betriebsmittel. Auch befindet sich ein Computer-Arbeitsplatz in der Werkstatt, der bedeutsam für die Dokumentation von Reaparaturen und Wartungungen ist. Auch ermöglicht die Dokumentation die Nachverfolgung der technischen Geräte und Atemschutztechnik, wenn diese beispielsweise in eine externe Werkstatt oder zur Prüfung in die Feuerwehrtechnische Zentrale nach Goslar müssen.
Die Registration und Dokumentation erfolgt großteils über ein Barcode und Barcodescanner. Die Barcodes werden auf die einzelnen Materialien im Vorfeld aufgebracht und können dann einfach gescannt werden.
Der zweite Bereich ist unser Lager. Hier lagern neben Feuerwehrschläuche auch Atemschutztechnik und Sondermaterial, die nicht standardmäßig auf den Fahrzeugen verladen sind. Zum Sondermaterial gehört beispielsweise die Chiemseepumpe mit Zubehör, ein großer Wasserfaltbehälter sowie der Wassersauger. Größere Betriebsstoffe, wie Kraftstoffe und Öle dürfen hier aus brandschutztechnischen und gesundheitlichen Gründen nicht gelagert werden.
Angrenzend an unserer Werkstatt und Lager ist unser Waschplatz. Hier werden von uns die Einsatzfahrzeuge und ggf. auch größeres Material gereinigt.
Unser Fitnessbereich ist unser jüngst gestaltete Raum in unserer Feuerwache.
Der Fitnessbereich mit seinen zahlreichen Fitnessgeräten, soll jedem Feuerwehrkameraden und jeder Feuerwehrkameradin die Möglichkeit geben, die körperliche Fitness zum wohle der Bürgerinnen und Bürger sowie Gästen der Bergstadt zu erhalten. Eine gute körperliche Fitness für die Bewältigung von Einsätzen ist unumgänglich. Insbesondere für die Atemschutzgeräteträger, welche mindestens alle drei Jahre eine Gesundheitsuntersuchung und mindestens einmal jährlich eine Belastungsübung absolvieren müssen, profitieren von diesem Fitnessbereich.